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Weshalb eigentlich "Anders denken lernen"?

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Mittwoch, den 30. Juni 2010 um 20:43 Uhr

Das Thema "Anders denken lernen" beschäftigt mich in verschiedenen Bereichen meines Unterrichts und meiner Arbeit mit Einzelpersonen, Paaren und Teams. Immer wenn jemand in "eine andere Richtung denkt" als in die gewohnte, verlangt von der betroffenen Person einen nachhaltigen Wandel ihrer Denkmuster.
Wenn jemand seinem Leben eine andere Wendung geben will, muss er oder sie zuerst anders denken lernen. Will ein Paar oder ein Team seine Beziehungsgewohnheiten verbessern, wird eine Veränderung der Denkgewohnheiten verlangt. Oder wenn Sie sich entscheiden, auf ein Problem kooperativ zu reagieren, anstatt wie bisher konkurenziell, dann ändern Sie Ihr Denk- und Handlungsmuster gewaltig. 

Als Coach, Mediatorin und Kommunikationstrainerin habe ich vor 15 Jahren die damals noch sehr unbekannte Methode der Gewaltfreien Kommunikation erlernt. Sie hat erst in den letzten Jahren Eingang auch in die "normale Geschäftswelt" gefunden. Weshalb erfordert diese Art der Kommunikation ein anderes Denken? Systeme wie die Gewaltfreie Kommunikation, die hier lediglich ein Beispiel sein soll, gehen davon aus, dass Menschen einander im Grunde ihres Seins bereichern möchten und dass Menschen in ihrer Anlage kooperativ sind. Diese Haltung entspricht nicht den gängigen Gedankenformen und findet erst seit kurzem durch Buchveröffentlichungen und wissenschaftliche Forschung Eingang in das Denken von Menschen, die sich für diese Themen nicht speziell interessieren. Die übliche Haltung nämlich spricht noch immer vom Recht des Stärkeren und ist auf Mitte des 19. Jahrhundert zurückzuführen.

Als Körpertherapeutin und Wahrnehmungstrainerin im komplementärtherapeutischen Bereich, bin ich seit 20 Jahren im Brennpunkt der Auseinandersetzung zwischen Schulmedizin und Komplementärtherapie, also zwischen zwei Ansichten, die von sehr verschiedenen Ansatzpunkten ausgehen und denen verschiedene Weltbilder zugrunde liegen. Oder anders gesagt: Zwei medizinische Bereiche, die in verschiedenen Denkmustern denken. Die entscheidende Frage ist: Wie schaut ein Mensch auf Verhaltensweisen, auf sogenannte Tatsachen, auf Dinge? Und wie funktionieren Ihre oder meine Denkstrukturen und woher kommen sie?

Albert Einstein sagte:
"Je mehr eine Kultur begreift, dass ihr aktuelles Weltbild eine Fiktion ist, desto höher ist ihr wissenschaftliches Niveau".


Die Autorin und Philosophin Dr. Natalie Knapp hat ein inspirierendes Buch veröffentlicht "Anders denken lernen. Von Platon über Einstein zur Quantenphysik" (ISBN 978-3-033-01634-7).
Sehr konsequent, übersichtlich und für Laien einfach verständlich, geht sie der Frage nach, weshalb unsere Gesellschaft mit ihrem Denken noch immer in den Mustern des 19. Jahrhunderts verhaftet ist, obwohl quantenphysikalische Erkenntnisse etwas ganz anderes vorschlagen. Sie erklärt zudem in bestechender Einfachheit komplexe Phänomene der Quantenphysik.


Ich möchte hier mit einigen Beispielen Ihr Denken anregen und alte Denkmuster in Frage stellen. In ihrer Kürze finde ich die Beispiel sehr inspirierend. Sie halten mich dazu an, grundsätzlich anders auf die Welt zu schauen und mich für ganz neue Erkenntnisse offen zu halten.

  1. Vor vielen Jahren hat ein guter Freund, ein unkonventioneller Mathematiker, plötzlich mit dem Rauchen aufgehört. Als ich ihn fragte, ob es ihm schwer gefallen sei, antwortete er, es sei ganz leicht gewesen. Er habe die Quanten zum Vorbild genommen.Diese kleinsten Einheiten unserer Wirklichkeit seien in der Lage, sich durch das einfache Aufnehmen und Abgeben von Energie vollständig zu verwandeln. Von einem Augenblick zum nächsten könnten sie alle ihre bisherigen Eigenschaften abwerfen und neue Eigenschaften annehmen. Es gäbe dann nichts mehr, was sie mit ihrem vorherigen Dasein verbindet. Genauso habe er es mit dem Rauchen gemacht. Er habe auf den richtigen Zeitpunkt gewartet, Energie aufgenommen und sich verwandelt. Auf die Frage, ob er nicht doch wenigstens in manchen Situationen noch Lust habe, eine Zigarette zu rauchen, antwortete er, nein, in seinem jetzigen Dasein sei er ja niemals Raucher gewesen.
    Aus Knapp, Nathalie: Anders denken lernen.
  2. Vor etlichen Jahren war ich an einem Kurs, an dem eine Methode der Energieübertragung gelehrt wurde. An einem Punkt fragte der Unterrichtende nach speziellen Erlebnissen unter den Teilnehmenden und eine der Geschichten erschien mir besonders kurios und unglaublich. Die Person, ich nenne sie hier A., die sie erzählte war selber immer noch hörbar erstaunt über das, was sie erlebt hatte: A. war an einem Samstagabend an einen Firmenanlass eingeladen. Da er sich aber am Samstagabend immer seiner Familie widmete und auch dafür keine Ausnahme machen wollte, sagte er die Firmeneinladung ab und blieb zuhause bei den Seinen. Als er am Montag ins Büro kam, sagte seine Kollegin zu ihm Weshalb hast du am Samstagabend kein Wort mit mir gesprochen? Er erwiderte, er sei zuhause bei seiner Familie gewesen. Sie holte ihr Handy und sagte Das kann nicht sein, du warst hier! Schau, du bist hier auf dem Foto! Und er sah sich zu seinem grossen Erstaunen auf dem Foto auf ihrem Handy, am Firmenfest mit den Kolleginnen und Kollegen!!
  3. Ein befreundeter Körpertherapeut arbeitet stark mit Körper- und Bewegungswahrnehmung. Eines Tages kam eine Frau zu ihm, die kaum die Treppe ersteigen konnte, um zu ihm in den zweiten Stock zu gelangen. Sie hatte bereits einen Operationstermin, um in zwei Wochen eine künstliche Hüfte einzusetzen. Nach der ersten Behandlung konnte sie normal Treppensteigen. Glücklich darüber, sagte sie den Operationstermin ab. Sie konnte sich ja später nochmals im Spital melden, falls sich ihr Befinden wieder verschlechtern sollte. Nach zwei Monaten ging sie wegen einer anderen Sache zu ihrem Hausarzt. Dieser sagte: Da ist die Operation aber gut verlaufen, so gut wie Sie wieder gehen können! Daraufhin berichtete sie ihm, dass sie die Operation abgesagt habe! Erstaunlicherweise war der Arzt nicht daran interessiert zu wissen, weshalb seine Patientin ohne die Operation wieder so gut auf den Beinen war.

Wie wäre es, wenn wir diese Geschichten als die tagtägliche Realität und das Normale und nicht als die Ausnahme oder das Unmögliche anschauen würden? Die Erkenntnisse der Quantenphysik schlagen das vor. Wie geht es Ihren Gedankenmustern, wenn Sie solche Geschichten hören? Zweifeln Sie an deren Wahrheitsgehalt und wenn ja, woran genau? An sich selbst und Ihrem Wissen? An den Geschichten? An mir als Geschichtenerzählerin? Oder finden Sie die Geschichten ganz normal?