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Intuition in der Arbeitswelt: Eveline Räz-Rey, Unternehmerin, 54jährig

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Sonntag, den 03. Oktober 2010 um 23:00 Uhr

Eveline RäzFührt mit SchenkART ein Geschäft mit Beratung und Verkauf im Bereich „sinnvoll schenken“.
www.schenkart.ch

  1. Welches Berufsbild verbinden Sie spontan mit Intuition?
    Egal ob ein Kabarettist vor seinem Publikum steht oder eine Lehrerin vor ihrer Klasse – in beiden Fällen kann gute Intuition entscheidend sein. Ein Kabarett-Programm kann gut einstudiert sein, tolle Pointen enthalten und vielseitig sein. Wenn der Künstler dies jedoch stur (zum Beispiel im Studio ohne Publikum) abhalten muss, ist das fast ein Ding der Unmöglichkeit. Es fehlt die Möglichkeit, das Publikum zu erleben und intuitiv zu erfassen.
    Ich selber komme aus dem Lehrerberuf. Mit Pädagogik, Didaktik und Fachwissen werden angehende Lehrpersonen in der Ausbildung ausgestattet. Intuition hilft während dem Unterricht in der Interaktion mit den SchülerInnen zu entscheiden, wo und wie weit vom geplanten Raster abgewichen wird.

  2. Wie äussert sich Intuition in Ihrer Arbeit?
    Während meiner Arbeit, beim Autofahren, beim Zeitunglesen und auch nachts melden sich Gedankenblitze zu irgendwelchen Themen. Ideen tauchen auf und wollen weiterverfolgt werden. Manchmal sind es Wortspiele, manchmal ein nützlicher Gegenstand in einer neuen Façon. Oft mache ich mir Notizen oder Skizzen dazu – als Gedankenstütze.  Wenn es zeitlich passt, setze ich mich an den PC und recherchiere gleich im Internet, was dazu auf Anhieb so zu finden ist zum Thema. Dann lasse ich die Idee ruhen. Wenn es etwas Gutes ist, meldet sich die Idee wieder und ich schaue, wie ich sie umsetzen kann.
    So gesehen habe ich immer Tausend begonnene Sachen, ohne aber das Gefühl zu haben, alles müsse umgesetzt sein.

  3. Wie verbinden Sie Intuition und Ratio?
    Für mich sind Intuition und Ratio zwei einander entgegenlaufende Begriffe.
    Wenn ich etwas von der Vernunft her analysiere, dann kann ich Punkt für Punkt mir vornehmen, die Sache durchleuchten, von verschiedenen Gesichtspunkten aus beurteilen. Wenn ein Entscheid für oder gegen etwas ansteht, so gibt es meistens einige Punkte, die dafür und einige die dagegen sprechen. Damit ich klarer sehe, kann ich die verschiedenen Punkte noch der Wichtigkeit nach ordnen. So kann ein mathematisch ermittelter Entscheid entstehen. Ich gelange sozusagen aus einer Vielzahl von Komponenten zu einem Ganzen.
    Wenn ich die gleiche Fragestellung intuitiv angehe, so erfasse ich sie gleich als Ganzes und mein Bauchgefühl ist gut oder eben nicht gut dabei.
    Vielleicht laufe ich so Gefahr, dass ich gewisse Punkte nicht mit einbeziehe. Aber diese sind offenbar für mich auch nicht so wichtig.
    Für mich sind beides gangbare Wege. Es kommt darauf an, ob es ein Entscheid ist, der nur mich betrifft oder ob noch andere involviert sind. Je mehr andere davon betroffen sind, desto mehr möchte ich einen Entscheid auch begründen können und würde ihn eher auf Vernunft basierend fällen. Wenn Intuition und Ratio nicht zum gleichen Schluss kommen, dann ist das für mich ein guter Grund nach noch verborgenen Kriterien zu suchen.

  4. Wann wurde Ihnen bewusst, dass Sie auch intuitiv sind?
    Als wir (mein Mann und ich) vor rund zwanzig Jahren für drei Tage nach England reisten, um ein Haus zu kaufen für die kommenden Jahre, kamen wir gut vorbereitet an. Wir hatten Termine mit verschiedenen Maklern und die Liste mit unseren Kriterien.  Wir hatten eine genaue Vorstellung, was unser Zuhause haben sollte und was nicht.
    Wir besuchten und bewerteten während zwei Tagen verschiedene Liegenschaften. Anhand der ausgewerteten Liste kamen zwei Häuser in Frage. Diese wollten wir uns ein zweites Mal ansehen, bevor wir den definitiven Bescheid fällten. So verblieben wir mit den Maklern.
    Ich rechnete nicht damit, dass ich am nächsten Morgen eine Stunde vorzeitig erwachen würde und nur noch an ein Haus denken konnte. Es war das Haus, das wegen der Einfachverglasung in unserer Rangierung sehr schlecht abschnitt. Ich sah im Geist die Kinder im Garten spielen und das herrlich weite Feld angrenzend. Ich bearbeitete meinen Mann, auch dieses Haus noch ein zweites Mal zu besuchen. Und siehe da. Wir entschieden uns dafür und lebten 61/2 Jahre ganz zufrieden mit unserer Wahl in diesem Haus. Wir hatten sehr nette Nachbarn und das Dorf bot mit der Windmühle und der Modelleisenbahn auch attraktive Orte, die zu Fuss erreicht werden konnten. Alles in allem war dieses Haus in vielen Teilen ein Glücksfall für uns.

  5. Wie benützen Sie Ihre Intuition zukünftig?
    Wichtige Entscheidungen versuche ich nicht überstürzt zu treffen. Wenn immer möglich möchte ich darüber schlafen können.
    Ich werde sicher immer offen sein für Ideen und Gedankenblitze, auch wenn oder gerade weil sie unkonventionell  sind. Überhaupt verlasse ich mich auf meine Intuition. In der Schenkberatung bin ich darauf angewiesen, dass ich im entscheidenden Moment mit einer guten Idee aufwarten kann. Dazu gehören sowohl die Vorbereitung, die mich auf mein eigenes  Sortiment  zurückgreifen lässt, wie ein breites Angebot von recherchierten Schenkideen. Auf dieser Basis vertraue ich darauf und darf mich in der Regel auch darauf verlassen, dass mir passende Vorschläge in den Sinn kommen. Dieses Vertrauen auf meine Intuition gibt mir Sicherheit und Freude mit in jedes Beratungsgespräch.