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Intuition in der Arbeitswelt: Susanna Sacchetti, Organisations- und Prozessberatung, Konfliktmanagement und Mediation, 62 Jahre
Mittwoch, den 01. Dezember 2010 um 00:00 Uhr
Ich bin seit 11 Jahren in eigener Firma tätig und habe mich seit 2000 kontinuierlich weitergebildet an verschiedenen Fachhochschulen und in privaten Institutionen: Vorerst Coaching und Methodik-Didaktik; ab 2002 dann in Organisationsentwicklung, Prozessmanagement, Konfliktmanagement, Mediation und Moderation.
Meine KundInnen sind in der Industrie, in KMU, Verwaltungen und Institutionen –, überall dort, wo in Projekten unterschiedlichster Art, die Komplexität zum Beispiel durch politische Verknüpfungen des Projektvorhabens, sehr hoch ist. Zurzeit bin ich in einem nationalen Bildungsprojekt als Prozessmanagerin und Projektcoach tätig. Davor arbeitete ich als Architektin und Projektmanagerin in verschiedenen Führungspositionen in einem Regiebetrieb des Bundes.
www.sacc-partner.ch, www.bewirken.ch, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
- Welches Berufsbild verbinden Sie spontan mit Intuition?
Insbesondere verbinde ich Berufe wie Psychologie und Philosophie mit Intuition. Mir kommt da z.B. der Philosophe Wilhelm Schmid in den Sinn, der über das Glück geschrieben hat und dieses dazu in Kategorien aufteilt.
- Wie äussert sich Intuition in Ihrer Arbeit / in komplexen Projekten?
In meinem Tätigkeitsumfeld des Bauens und im Projektmanagement im Auftrag und in Zusammenarbeit mit vorwiegend männlichen Partnern hatte ich zwar gespürt, dass ich Dinge sehr intuitiv angehe – mich zB mutig gewagt habe oder mich andererseits zurückgehalten habe. Die Männer in meinem Umfeld habe ich niemals als intuitiv wahrgenommen. Als praktisch einzige Frau habe ich es vermieden, darüber zu sprechen.
Seit ich in der Organisationsentwicklung und in der Mediation tätig bin ist das ganz anders. Ohne auf meine Intuition zu hören, könnte ich gar nicht arbeiten. Ich höre grundsätzlich mit anderen Ohren. Wenn Menschen Konflikte austragen, ist das eine ganz sensible Sache. Es liegt an mir als Mediatorin, meine Intuition zu nutzen, zB im richtigen Moment eine spezielle Methode vorzuschlagen –, und wenn möglich die Intuition auch der KlientInnen zu nutzen. Ob das gelingt hängt aber nicht allein von mir ab.
- Wie verbinden Sie Intuition und Ratio?
Intuition und Ratio erlebe ich als zwei Gegensätze. Es geht aus meiner Sicht um das Wiedererlangen von Lebenskunst.
Wichtig ist für mich zu wissen, dass es Menschen mit unterschiedlichen Wahrnehmungen gibt. In technischen Berufen sind Menschen oft rational denkend und nehmen auch so wahr. In meinem Umfeld der systemischen Beratung ist oft das Gegenteil der Fall. Ich kann das vergleichen mit einer Rollenklärung, auf welche ich in meiner Beratertätigkeit viel Wert lege: Klienten immer wieder die Frage zu stellen, welchen Hut sie nun gerade aufhaben. Für diese ist das ein Lernprozess, wie für mich auch.
- Wann wurde Ihnen bewusst, dass Sie auch intuitiv sind?
Ich kenne den Begriff seit meiner Kindheit. Schon meine Mutter erzählte von sich, dass sie oft intuitiv etwas getan hatte und es sich im Nachhinein gezeigt habe, dass es vom Schicksal so gewollt war. Auch ich kenne viele solche Beispiele. Für mich gibt es keine Zufälle.
- Wie benützen Sie Ihre Intuition zukünftig?
Ich versuche meine Intuition clever zu nutzen, auch bei meiner täglichen Arbeit. Ich lese zB in der Zeitung von einem komplexen Projekt, bei dem die Behörden zusammen mit der Politik nicht weiterkommen; wo die Bevölkerung sich evtl. gegen deren Vorhaben wert. Ich rufe dann meistens direkt an oberster Stelle an, wenn ich spüre, dass meine Intuition mir etwas zu melden hat, wie eine gewisse (für mich logische) Vorgehensweise zielführend sein könnte. Ich bekomme dann oft auch einen Besprechungstermin. Leider gelingt es mir nur in seltenen Fällen, dass ich meinem Gegenüber meine Intuition so vermitteln kann, dass sie wie eine rationale Lösungsoption entgegengenommen wird. Ich möchte lernen, Intuition und Ratio besser zu vernetzen und in dieser Kombination zu vermitteln bzw. zu übersetzen. Das eine ohne das andere geht nach meiner Erkenntnis gar nicht.
Das Foto wurde von Peter Brand am Mobilitätsforum 2010 in Bern gemacht.
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