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Intuition in der Arbeitswelt: Interview mit Rolf Bänteli, früher Chemiker, heute Craniosacraltherapeut und Kommunikationstrainer, 47 Jahre

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Sonntag, den 08. August 2010 um 23:00 Uhr

Rolf BaenteliIch habe 15 Jahre lang als Chemiker in der Basler Pharmaforschung gearbeitet, das bedeutete ein Labor mit zwei MitarbeiterInnen. Es ging darum neue Wirksubstanzen zu entwerfen und herzustellen. Im ganzen Werdegang eines neuen Medikamentes gleicht diese Phase dem Aussähen von Samen auf kargem Boden. Nur wenige Samen finden fruchtbare Erde und keimen, nur wenige Wirksubstanzen schaffen den Weg und werden zu einem Medikament, das man in der Apotheke kaufen kann. Es braucht – wenn ich mich recht erinnere – etwa 10 Chemikerleben (also etwa 300 Mannjahre) für ein marktreifes Medikament! Mit 45 beschloss ich, mein Berufsleben nicht länger auf diesem kargen Boden zu verschwenden und machte mich selbständig. Seither tue ich genau das, was mir Spass macht und ich sinnvoll finde. Und so arbeite ich heute als Craniosacral-Therapeut und Kommunikationstrainer (gewaltfreie Kommunikation) und mache Webdesign und Übersetzungen.

www.rolfbaenteli.ch
www.gewaltfreikommunizieren.ch
www.rolf-design.ch

  1. Welches Berufsbild verbinden Sie spontan mit Intuition?
    Bei Intuition denke ich an Musiker und Künstler, an Menschen, die etwas erschaffen, was es vorher noch nicht gab und die dabei nicht logisch vorgehen können. Mit Intuition erschaffen sie etwas, was in sich harmonisch ist. 

  2. Wie äussert sich Intuition in Ihrer Arbeit?
    In meiner Arbeit als Chemiker, habe ich meiner Intuition wenig Raum gegeben. Den hätte es vielleicht gegeben, aber der Druck und die Vorgabe, dass alles „rationally designed“ (rational entworfen) sein sollte, hat die Intution an die Wand gedrückt. Der Begriff Intuition kam konsequenterweise auch im jährlichen „performance management system“ nicht vor. Viellicht hätte man sich Intuition am ehesten unter dem Stichwort Kreativität leisten können. Aber Kreativität wurde letztlich auch nur daran gemessen, wie viele neue Projekte man auf die Beine gestellt hatte.

  3. Wie verbinden Sie Intuition und Ratio?
    Im bescheideneren Fall kommt die Intuition dann zum Zug, wenn die Ratio am Ende ist. Im günstigeren Fall kommt sie zum Zug, obwohl die Ratio noch nicht am Ende ist. Ersteres ist bei meiner Doktorprüfung eingetreten, als mir der Professor eine Frage stellte, die ich auch ohne Prüfungsstress nicht rational hätte beantworten können. Ich habe auf die Tafel geschaut und „aus dem Bauch heraus“ geantwortet. Er hat mich gefragt, wie ich zu meiner Antwort gekommen sei? Ich antwortete: „Intuition“. Es kam die zweite unlösbare Frage, die ich auf die gleiche Art beantwortete. Worauf der Professor nur meinte: „Immerhin ist seine Intuition konsistent“ (ich bin aber bis heute nicht sicher, ob die Fragen nun beide richtig oder beide konsistent falsch beantwortet waren).

  4. Wann wurde Ihnen bewusst, dass Sie auch intuitiv sind?
    Das war mir eigentlich schon immer klar.

  5. Wie benützen Sie Ihre Intuition zukünftig? Vielfältig: In meiner therapeutischen Arbeit und in Kommunikationsseminaren verlasse ich mich auf die befruchtende Mischung aus scharfer Beobachtung, ganzheitlicher Wahrnehmung und Intuition. Und wenn ich die Gestaltung für eine Webseite entwerfe, ist die Intuition meine wichtigste Hilfe.