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Angenehme Körperempfindungen als Auslöser für Persönlichkeitsentwicklung

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Donnerstag, den 01. Juli 2010 um 10:08 Uhr

In diesem Artikel möchte ich Ihnen von einem Ausschnitt meiner körpertherapeutischen Arbeit berichten, der mit Persönlichkeitsentwicklung und Selbstliebe zu tun hat.

Wenn ich in meinem Praxisalltag das Wort Sinnlichkeit erwähne, wird der Begriff meist sofort mit Erotik, Sexualität und Gemeinsamkeit assoziiert. Erotik und Sexualität ist jedoch nur ein Ausschnitt körperlicher Sinnlichkeit. Ein ebenso ausgedehnter Bereich gehört dem persönlichen Erleben und der ganz persönlichen Wahrnehmung des eigenen Körpers, ohne dass Sexualität und Erotik involviert sind. Dazu gehören zum Beispiel: Wohlig entspanntes Sein, Fliessen und Kribbeln im Körper, das Gefühl, jeder Muskel ist wieder am richtigen Platz ist, eine mühelose Aufrichtung, Leichtigkeit in der Bewegung.
Die fünf Sinne sind bekannt und gehören zum Alltag. Weniger bewusst ist, dass der kinästhetische Sinn nicht nur die Hände, die fühlen und greifen umfasst, sondern den ganzen Körper, also die Haut und ihre Nerven betreffen. Berührung und passives Bewegt werden, lösen Sinnesempfindungen aus, genauso wie ein gutes Essen, ein schönes Bild oder der Hörgenuss bei einem Konzert. Die anderen Sinne werden selbstverständlich trainiert und wenn nötig mit Geräten unterstützt, um den Sinnesgenuss und ihre Funktion aufrechtzuerhalten. Auch der Körper braucht Aufmerksamkeit und Übung, um sein ganzes Potential entfalten zu können. Eine Möglichkeit dazu ist eine körpertherapeutische Behandlung, bei der der Klient oder die Klientin Empfindungen bewusst wahrnimmt. Die Empfindsamkeit des Körpers wird durch Wiederholung trainiert: Je häufiger bewusstes Fühlen von Körperempfindungen stattfindet, desto einfacher gelingt die Integration dieser Qualitäten in den Alltag.

Aus körpertherapeutischer Sicht hat Sinnlichkeit mit Selbstwahrnehmung, Bewusstsein und im Jetzt-Sein zu tun. Selbstwahrnehmung und Bewusstsein richten den Fokus auf die Wahrnehmung der Körperempfindungen. Dominante Gedanken reduzieren sich und Empfindungen werden erfahrbar. Damit die empfangende Person tatsächlich ihren Körper fühlt und sich das Gefühlte nicht nur vorstellt, braucht es Akzeptanz: Die Person erlebt das, was sie fühlt ohne es zu bewerten. Was sie erlebt, ist eine Empfindung, die jetzt gerade so ist wie sie ist und sich im nächsten Moment verändern kann. Körperliche Sinnesempfindung ist wie ein Farbenkreis: Durch Erfahrung können aus wenigen Grundfarben eine riesige Fülle von unterschiedlichen Farben kreiert werden. Die Grundfarben auf der körperlichen Ebene sind meist „gut“, „schlecht“ und „schmerzend“. Einige weitere „Farben“ könnten sein leicht, sanft, schwer, entspannt, weit, ausgedehnt, fliessend, rieselnd. Die Empfindungen lassen sich beliebig erweitern und vertiefen sich ständig. Die Erfahrung von neuen Körperempfindungen hört nie auf. Da der Mensch sich im Laufe der Jahre körperlich und psychisch verändert, gehen mit der Entwicklung auch neue Empfindungen einher.

Eine körperliche, sinnliche Erfahrung entsteht, wenn einige Voraussetzungen erfüllt sind:

Verlangsamung
Um körperliches Wohlbefinden und Sinnlichkeit erfahrbar zu machen, brauchen wir Zeit. Zeit um sich bewusst zu fühlen, sich zu geniessen und Körpergefühle überhaupt wahrzunehmen. Sich Zeitfenster (auch in der Agenda) zu schaffen ist ein zuverlässiges Instrument, um Verlangsamung zu ermöglichen.

Präsenz – im Jetzt sein
Wahrnehmung von Wohlbefinden in allen Schattierungen kann nur im Jetzt stattfinden. Bleibt der Geist in der Vergangenheit oder schweift in die Zukunft, kann die empfangende Person ihren Körper und ihre Empfindungen nicht so genau wahrnehmen. In einer körpertherapeutischen Behandlung sind beide – KlientIn und TherapeutIn - aufgefordert, sich präsent dem Prozess hinzugeben, der sich im Moment entfaltet.

Sich „von innen heraus“ fühlen
„Sich von innen nach aussen fühlen“ oder sich „von aussen anschauen“ (und sich möglicherweise beurteilen) ist ein entscheidender Unterschied. Sich aus seinem Innern heraus wahrzunehmen bedeutet, sich liebevoller zu betrachten, seinen eigenen Fühlqualitäten näher zu sein und sich weniger mit anderen zu vergleichen.

Qualität der Berührung
Die Qualität der Berührung und fühlende Hände sind entscheidend für die Reaktion des Körpers. Wird jemand grob und respektlos angefasst, weicht der Körper unbewusst zurück oder wird steifer. Eine angenehme Berührung entspannt den Körper und öffnet den Geist. In der Körperarbeit, die ich in den letzten zwei Jahrzehnten entwickelt habe, lege ich viel Wert auf eine respektvolle Präsenz und eine bewusste Berührung. Sanftheit, Sicherheit und Klarheit in der Berührung sind grundlegend, unabhängig davon, ob ich sanft oder dynamisch bewege.